"Liebes Publikum,

zunächst vielen Dank für die überwiegend positive, sachliche und zum Teil auch kritische Teilnahme an meiner Arbeit. Es ist gut zu wissen, dass es so viele Menschen gibt, die Lust haben sich auf diese Art der künstlerischen Auseinandersetzung einzulassen.
Es macht mich vor allem stolz und glücklich so lange durchgehalten zu haben, auch weil dieser Weg in den vergangenen 25 Jahren nicht immer leicht, zuweilen auch mühsam und voller Hindernisse war. Ich freue mich schon auf die nächsten Begegnungen und bin gespannt wohin die Reise noch geht. Eine weitere Station erreiche ich am 25.November 2011 mit der Veröffentlichung meines ersten Musikalbums Dafür kommt man in den Knast.

Wie die meisten wissen, betone ich auch abseits der Bühne immer wieder, dass ich Schauspieler und Musiker bin und nicht Dienstleister einer Klientel sein möchte, die sich am Äusseren einer Figur festhält und sich damit sogar identifiziert. Auch wenn ich stolz darauf sein könnte, dass manche Rollen sich so sehr etabliert haben, dass man mich und meine Ansichten damit gleichsetzt und verwechselt, ist die Erschaffung einer solchen Figur immer nur Mittel zum Zweck. Sie bleibt ein Vehikel zum Transport einer tieferen Aussage, die es zu lesen und zu verstehen gilt. Ein wesentlicher Teil dieser "Botschaft" sämtlicher Programme, die ich bisher gemacht habe ist "Toleranz" - die Fähigkeit den anderen in seiner Andersartigkeit nicht nur auszuhalten, sondern auch gelten zu lassen und ihn im besten Falle sogar zu verstehen. Es ist ein entscheidender Punkt, an dem Abstraktionsvermögen erforderlich ist, um die Aussagen der Rolle von den Absichten der Person zu trennen und die eigene Erwartung von der Entwicklung des Künstlers zu lösen, unabhängig davon in welche Richtung diese Entwicklung gehen mag.

Deshalb geht die Reise für mich als Künstler immer weiter und es bleibt eine Suche auf der ich mich befinde. Eine Suche nach der richtigen Tonart, dem richtigen Duktus, der richtigen Idee, der idealen Inszenierung und dem passenden Rezipienten. Es wäre einfach sich auf dem Ruhm auszuruhen, den eine etablierte Figur mit sich bringt. Man hat sich aneinander gewöhnt, man muss sich nicht mehr erklären und eigentlich nur noch erfüllen was man bereits so oft wiederholt hat. Gerade dieses Ausruhen langweilt mich, weil es Gefälligkeit erzeugt und Inkonsequenz evoziert. Für mich bleibt es wichtig den Konflikt  mit dem Ungewissen herauszufordern.

Das jetzt erscheinende Album Dafür kommt man in den Knast ist eine Arbeit, die mir sehr viel bedeutet-vielleicht auch weil ich so lange darauf warten musste wieder zu meinen musikalischen Wurzeln zurückkehren zu können. Nachdem ich mittlerweile mehr als 25 Jahre auf der Bühne stehe habe ich gespürt, dass es an der Zeit ist etwas Neues zu machen und die gewohnten Pfade zu verlassen. Vor allem ist es das ehrlichste was ich machen konnte. Ich danke allen, die mir dabei geholfen haben diese Sehnsucht zu erfüllen, vor allem André Fuchs, alias Onkel Zwieback, mit dem ich das Album produziert habe, aber auch den Freunden bei Groove Attack, die sich auf mich eingelassen haben. Ich wünsche uns viel Erfolg und allen anderen viel Freude dabei und bin gespannt auf den weiteren Verlauf unserer Reise.

Danke!
Euer Serdar Somuncu"
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